Kurz gefasst
- Leerrohr im Rohbau kostet nach deutschen Vergleichszahlen 2–5 €/m, dieselbe Trasse später gestemmt 20–60 €/m – Faktor 4 bis 10.
- Kupfer-Ethernet endet bei 90/100 m Strecke, bei 10 Gbit/s schon bei 55 m. Auf weitläufigen Fincas brauchen Sie Glasfaser oder Außenleerrohre.
- Auf Mallorca ist die IT-Infrastruktur ein eigenes Gewerk: das ICT-Projekt gehört zur Baugenehmigung, nicht in die Hände des Elektrikers.
Der Elektriker legt Strom, Licht und Steckdosen. Das kann er. Aber ein Netzwerk ist kein Stromkreis. Wer beides in einen Topf wirft, merkt das erst, wenn das Haus steht und der WLAN-Empfang im Gästezimmer abbricht.
Das Problem ist der Zeitpunkt. Solange die Wände offen sind, ist jede Leitung eine Frage von Minuten. Danach ist sie eine Frage von Meißel, Putz und Maler.
Warum Leerrohre die günstigste Versicherung im ganzen Bau sind
Rechnen wir mit Zahlen. Die folgenden Werte stammen aus deutschen Handwerks- und Ratgeberquellen und dienen als Vergleichsmaßstab – die realen Preise auf Mallorca liegen wegen Löhnen, Materialverfügbarkeit und der Härte des Steins anders und sind hier nicht belegt.
Ein Leerrohr im Rohbau zu verlegen, kostet rund 2–5 €/m Mehrkosten. Dasselbe Rohr nachträglich einzuziehen, liegt bei 20–30 €/m. Muss die Wand dafür geschlitzt und gestemmt werden, sind es 20–60 €/m. Das ist der Faktor 4 bis 10 – für exakt dieselbe Strecke.
Ein Beispiel macht es greifbar: Glasfaser ohne vorhandenes Leerrohr nachzurüsten, kostet mit Schlitzarbeiten, Putz und Maler rund 1.500 €. Liegt das Leerrohr schon, ziehen Sie das Kabel in einer halben Stunde ein.
Das Prinzip gilt für jeden Bau – Finca, Villa, Bürogebäude oder Industriehalle. Wo im Rohbau ein Rohr fehlt, wird später gestemmt.
Wie viele Dosen, und warum Doppeldosen
Die Norm gibt eine Richtung vor. Für Wohnbauten empfiehlt die DIN 18015 mindestens einen Multimedia-Anschluss je 3,75 m Raumumfang, gleichmäßig verteilt. Der Gedanke dahinter steckt auch in der strukturierten Verkabelung nach EN 50173 / ISO/IEC 11801: Man setzt so viele Anschlusspunkte, dass später nicht nachverkabelt werden muss.
In der Praxis heißt das Doppeldosen an jedem wichtigen Punkt – Fernseher, Arbeitsplatz, Spielkonsole, vernetzte Geräte. Eine zweite Buchse kostet im Rohbau kaum etwas. Fehlt sie, hängt später ein kleiner Switch sichtbar an der Wand.
Warum die Lage des Technikraums über die Kabellänge entscheidet
Kupfer hat eine harte Grenze. Ein Ethernet-Kabel trägt maximal 100 m, davon 90 m fest verlegt und 10 m Patchkabel. Bei 10 Gbit/s über Cat6 sinkt das auf 55 m. Danach hilft nur Glasfaser.
Auf einer weitläufigen Finca ist das schnell erreicht: vom Haupthaus zum Gästehaus, zum Pool, zum Tor, zum Nebengebäude. Kupfer reißt bei über 90 m ab. Also gehört ein Außenleerrohr zwischen den Gebäuden in die Rohbauplanung – oder Glasfaser von Anfang an. Nachträglich heißt das Graben.
Deshalb wird der Technikraum nicht dorthin gesetzt, wo gerade Platz ist, sondern so, dass die längste Strecke im Rahmen bleibt.
Der Technikraum: Wärme ist der stille Feind
IT-Geräte wollen es kühl und konstant: 18–27 °C, rund um die Uhr. Ein Netzwerkschrank läuft am besten bei 25–30 °C. Darüber braucht es aktive Entwärmung.
Der häufigste Fehler ist der Schrank im Heizungs- oder Hauswirtschaftsraum. Dort staut sich Wärme, dazu kommt Feuchte – und Elektronik verträgt Feuchte noch schlechter als Wärme. Ein Schrank erzeugt rund 10 °C über der Umgebungsluft. Steht er warm, steht er schlecht.
Wer den Aufstellort früh festlegt, kann zwei Kernbohrungen für Zu- und Abluft einplanen, statt später eine Splitanlage nachzurüsten. Bei Mallorcas heißen Sommern ist das keine Nebensache.
Warum Mallorca eigene Regeln hat
Zwei Dinge sind hier anders als in Deutschland.
Erstens die Bauweise. Marés-Sandstein und dicke Massivwände dämpfen Funk erheblich – WLAN allein durch das Haus zu tragen, ist auf einer traditionellen Finca nach unserer Erfahrung unrealistisch. Verkabelte Access-Points sind Pflicht, und dafür brauchen Sie Leerrohre. (Einen gemessenen dB-Wert für Marés gibt es nicht, das ist Erfahrung aus der Praxis, kein Laborwert.)
Zweitens die Stromversorgung. Auf Mallorca werden 2025 und 2026 wiederholt Stromausfälle und Spannungsschwankungen gemeldet, laut Berichten wegen überlasteter und alternder Netze. Die Meldungen betreffen vor allem Stadt und Playa; für abgelegene Fincas ist das plausibel, aber nicht ausdrücklich belegt. Planungsfolge: USV, Überspannungsschutz und saubere Erdung gehören höher gewichtet.
Recht: ICT-Projekt und Kameraposition
Auf Mallorca gilt spanisches Normrecht, nicht die DIN. Bei Neubau und Kernsanierung unter dem Regime der „propiedad horizontal" ist ein ICT-Projekt (Infraestructura Común de Telecomunicaciones, RD 346/2011) verpflichtend und muss dem Ayuntamiento zusammen mit dem Architekturprojekt für die Baugenehmigung vorgelegt werden. Der Technikraum heißt hier RITU. Standardmaß ist 2000 × 1000 × 500 mm; für kleinere Objekte ohne Gemeinschaftsflächen (bis 5 Einheiten) ist ein reduziertes Format von 100 × 50 × 30 cm zulässig.
Das ICT ist ein eigenes Gewerk. Überlässt man es stillschweigend dem Elektriker, kann die Baugenehmigung stocken.
Und die Kameras. Videoüberwachung fällt unter LOPDGDD (LO 3/2018) und DSGVO, Aufsicht ist die AEPD. Öffentlicher Raum darf grundsätzlich nicht erfasst werden – kein Gehweg, kein Nachbargrundstück, nur ein minimaler Streifen am eigenen Zugang, wenn technisch unvermeidbar. Hinweisschild und Nennung des Verantwortlichen sind Pflicht, Bußgelder liegen typisch bei 300–30.000 €. Deshalb wird die Kameraposition festgelegt, bevor die PoE-Leitungen liegen, nicht danach.
Dieser Artikel gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Die genannten Vorschriften sollten Sie für Ihr Bauvorhaben von Fachleuten prüfen lassen.
Der praktische Schluss
Holen Sie die IT-Planung dann, wenn der Architekt plant – nicht wenn der Verputzer kommt. Alles, was hier steht, kostet im Rohbau wenig und später ein Vielfaches. Das ist keine Frage des Geschmacks, sondern der Reihenfolge.
Was vor dem Verputzen feststehen muss
- Leerrohre zu jedem Raum und nach außen zu Nebengebäuden, Pool und Tor
- Netzwerkdosen als Doppeldosen an TV, Arbeitsplatz und vernetzten Geräten
- Technikraum/RITU festgelegt, so dass keine Kupferstrecke über 90 m läuft
- Kühlung bedacht: zwei Kernbohrungen für Zu- und Abluft statt späterer Splitanlage
- Glasfaser oder Außenleerrohr bei Strecken über 90/100 m
- ICT-Projekt mit dem Architekturprojekt eingereicht (fachlich prüfen lassen)
- Kameraposition datenschutzkonform festgelegt, bevor die PoE-Leitungen liegen
- USV, Überspannungsschutz und Erdung eingeplant
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