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UniFi Protect Cameras 5.4.122: Was das Update wirklich bringt – und für wen

Am 3. August 2026 hat Ubiquiti die Kamera-Firmware UniFi Protect Cameras 5.4.122 veröffentlicht, als fertige Fassung, nicht als Early Access. Zwei neue KI-Funktionen stecken darin. Sie laufen aber nur, wenn drei Software-Stände zusammenpassen – wer nur die Kamera aktualisiert, bekommt sie nicht.

5. August 2026 5 Minuten Lesezeit IT Service Mallorca

Kurz gefasst

Drei Stände, die zusammenpassen müssen

Der häufigste Fehler beginnt schon beim Namen. „Cameras 5.4.122" ist die Firmware der Kamera selbst. Die beiden neuen KI-Funktionen stecken aber nicht allein in der Kamera. Sie brauchen zusätzlich die Protect-Anwendung in Version 7.2.98 und die AI Key Firmware 2.2.5. Alle drei sind am selben Tag erschienen.

Fehlt einer der drei Stände, laufen PPE-Erkennung und die zweite KI-Prüfung still ins Leere. Die Kamera zeigt weiter ein sauberes Bild, die neuen Funktionen erscheinen aber schlicht nicht. Das ist kein Defekt, sondern eine Voraussetzung, die man vor dem Update kennen sollte.

Und es braucht die passende Hardware. PPE-Erkennung und die zweite Prüfung laufen nur mit einem AI Key. Eine reine Kamera- und NVR-Anlage ohne diese Zusatzhardware bekommt die neuen KI-Funktionen nicht. Wer sie zusagt, ohne vorher zu prüfen, ob ein AI Key verbaut ist, verspricht etwas, das die Anlage nicht leisten kann.

Was PPE-Erkennung kann – und was nicht

PPE steht für Personal Protective Equipment, also persönliche Schutzausrüstung. Die Kamera erkennt Personen, denen die vorgeschriebene Ausrüstung fehlt. Konkret sind das genau zwei Dinge: Helm und Warnweste. Handschuhe, Schutzbrille, Gehörschutz oder Sicherheitsschuhe erkennt das System nicht.

Für die Insel ist das trotzdem ein realer Anwendungsfall. Auf Villen-Großbaustellen, bei Bauträgern, in Lagerhallen im Polígono – etwa Son Castelló oder Marratxí – und in Industrie- oder Weingutbetrieben gilt Helm- und Westenpflicht. Sie ergibt sich aus dem spanischen Arbeitsschutzrecht (Ley 31/1995 PRL, RD 773/1997 EPI). Eine Kamera, die fehlende Schutzausrüstung meldet, passt hier auf einen echten Bedarf.

Ein Punkt begrenzt den Einsatz: der Durchsatz. Ein AI Key schafft laut Herstellerangabe rund 1.000 Detektionen pro Stunde. Eine andere Quelle nennt bis zu 1.800 Smart-Detection-Ereignisse pro Stunde – welche Zahl für PPE gilt, ist widersprüchlich und nicht belegt. Sicher ist nur die Richtung: Auf einer großen Anlage mit vielen Kameras wird das rasch zum Engpass. PPE gehört deshalb auf strategisch ausgewählte Kameras, nicht flächendeckend auf jede.

Second Stage Verification: weniger Fehlalarme

Die zweite Neuerung arbeitet im Hintergrund. Wenn ein Ereignis unsicher ist oder mehrere Objektklassen gegeneinanderstehen, prüft ein zweites, stärkeres KI-Modell nach, bevor ein Alarm ausgelöst wird. Ziel sind weniger Fehlalarme.

Das ist der Punkt, an dem eine Anlage im Alltag steht oder fällt. Eine Kamera, die nachts jeden Ast und jede Katze meldet, wird irgendwann ignoriert. Ob die zweite Prüfung die Fehlalarme messbar senkt, ist allerdings eine Herstellerangabe. Eine unabhängige Messung liegt nicht vor. Wir schreiben das ehrlich als das, was es ist: ein plausibler Ansatz, dessen Wirkung sich im Betrieb zeigen muss.

Was sonst besser wird

Neben den zwei KI-Funktionen bringt 5.4.122 die üblichen Verbesserungen. Die Smart-Detection-Genauigkeit steigt bei den Modellreihen G4 und G5, bei G6 verbessert eine Speicheroptimierung die Zuverlässigkeit. Behoben ist unter anderem, dass die Loitering-Erkennung nach dem Abschalten weiterlief, und ein H.265-Streamabbruch bei der G4 Doorbell Pro.

Eine Neuerung betrifft Kennzeichen mit durchgestrichener Null aus Pennsylvania. Das ist ein reines US-Detail und für spanische oder EU-Kennzeichen ohne Nutzen. Für die Kennzeichenerkennung auf der Insel bringt dieses Update nichts Dokumentiertes.

Wichtig für alle, die Aufnahmen als Beweis brauchen: Die App 7.2 signiert Aufzeichnungen mit einem SHA-256-Wert, prüfbar auf evidence.ui.com. Das sichtbare Wasserzeichen auf dem Bild wird erst durch die Kamera-Firmware 5.4 freigeschaltet. 5.4.122 ist also die Kamera-Seite, die diese Funktion erst aktiviert.

Rechtlicher Rahmen auf Mallorca

Wer Beschäftigte per Video erfasst – und PPE-Erkennung tut genau das – bewegt sich im Arbeitsrecht und Datenschutz. In Spanien gelten die Vorgaben der Datenschutzbehörde AEPD, die Ley 31/1995 sowie die Informationspflicht gegenüber Beschäftigten nach Art. 89 LOPDGDD. Die Belegschaft muss über die Überwachung informiert sein.

Das ist keine Rechtsberatung, und wir geben hier keine ab. Vor dem Einsatz einer PPE- oder Personenerkennung am Arbeitsplatz gehört der rechtliche Rahmen mit einer fachkundigen Stelle geklärt. Technisch möglich heißt nicht automatisch zulässig.

FunktionVoraussetzung
PPE-Erkennung (Helm, Warnweste)AI Key vorhanden + Firmware 2.2.5 + Protect 7.2
Second Stage VerificationAI Key vorhanden + Firmware 2.2.5 + Protect 7.2
Sichtbares Wasserzeichen (Evidence)Kamera-Firmware 5.4
Bessere Smart Detection G4/G5, Zuverlässigkeit G6nur Kamera-Firmware 5.4.122

Für wen sich das Update lohnt

Für Bau- und Industriekunden mit AI Key ist 5.4.122 zusammen mit Protect 7.2 ein sinnvoller Schritt – vor allem wegen der PPE-Erkennung und der ruhigeren Alarmlage. Für reine Kamera-Anlagen ohne AI Key bringt das Update in erster Linie die Bildverbesserungen und Bugfixes, nicht die KI-Funktionen. Und wer noch eine AI PTZ Industrial oder AI PTZ Precision im Bestand hat: Diese beiden Modelle bekommen 5.4.122 vorerst nicht.

Vor dem Update prüfen

Ein Firmware-Update ist schnell eingespielt. Die Arbeit steckt davor: prüfen, welche Stände zusammenpassen, welche Kameras welche Funktion tragen und ob der Einsatz rechtlich sauber ist. Wir planen und betreuen ganze Anlagen, nicht einzelne Kameras – mit einem festen deutschsprachigen Ansprechpartner, der auch in drei Jahren noch weiß, welcher AI Key wo hängt und warum. Das ist der Unterschied, für den wir stehen.

Quellen

Passt dazu

Philipp Gönnenwein
IT Service Mallorca

Deutschsprachiger IT-Service für Fincas, Villen und Unternehmen auf Mallorca. Netzwerk, WLAN, Sicherheitstechnik und die Vorbereitung für Smart Home — geplant, installiert und betreut.

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