Kurz gefasst
- Der reine Verlegeaufwand pro Dose ist im Rohbau mit Leerrohr rund 5–6× günstiger als nachträgliches Stemmen. Das ist der wichtigste Sparhebel überhaupt.
- Alle Euro-Zahlen hier sind deutsche Richtwerte. Die tatsächlichen Preise auf Mallorca werden im Einzelfall kalkuliert.
- Massives Bruchstein-Mauerwerk dämpft Funk deutlich stärker als ein Ziegel-Neubau. Deshalb braucht eine Finca mehr verkabelte Access-Point-Standorte, nicht mehr Repeater.
Was „vollständig" bei einer Finca überhaupt heißt
Ein vollständiges Netzwerk besteht aus drei Teilen: der Verkabelung in den Wänden, der aktiven Technik im Schrank und der Funkabdeckung darüber. Bei einem Reihenhaus kann man den ersten Teil kleinhalten. Bei einer Finca mit Nebengebäude, Poolbereich und dicken Mauern nicht.
Die Faustregel für ein Einfamilienhaus lautet etwa 15 Dosen mal 25 Meter, also rund 375 Meter Kabel. Das ist eine grobe Orientierung für ein kompaktes Haus. Eine Finca mit abgesetzten Gebäuden liegt deutlich darüber – die Distanzen zwischen Haupthaus, Gästehaus und Technikraum sind der Grund.
Die eine Zahl, an der sich alles entscheidet
Eine Netzwerkdose komplett – Kabel, Dose, Patchfeld, Arbeitszeit – kostet als deutscher Richtwert 150 bis 350 Euro. Diese Spanne sagt für sich genommen wenig. Interessant wird sie erst, wenn man sie nach dem Verlegeaufwand aufschlüsselt:
| Situation | Aufwand pro Dose (DE-Richtwert) |
|---|---|
| Neubau mit Leerrohr | 25–40 € |
| Bestand, Kabelkanal in der Sockelleiste | 60–110 € |
| Bestand, Wandschlitz stemmen und verputzen | 150–250 € |
Der Unterschied zwischen der ersten und der letzten Zeile ist der Faktor 5 bis 6. Dieselbe Dose, dieselbe Funktion – nur einmal im Rohbau eingezogen und einmal nachträglich in die fertige Wand gestemmt. Ein Leerrohr, das im Rohbau kaum ins Gewicht fällt, spart später ein Vielfaches.
Das ist der Grund, warum wir bei jedem Neubau auf Leerrohre drängen, auch dort, wo heute noch niemand eine Dose braucht. Ein Rohr ist billig. Eine aufgestemmte Wand im bewohnten Haus ist es nicht.
Was die Technik im Schrank kostet
Die Verkabelung ist die eine Hälfte, die aktive Technik die andere. Auch hier deutsche Richtwerte:
| Komponente | Richtwert (DE) |
|---|---|
| 19"-Wandschrank, 9 HE | 200–600 € |
| 24-Port-Patchfeld Cat6a | 60–140 € |
| PoE-Switch, 16 Port | 350–480 € |
| PoE-Switch, 24 Port, managed | 600–900 € |
| Firewall/Router | 400–1.300 € |
| USV, 1.500 VA | 600–1.500 € |
Ein 24-Port-PoE+-Switch zieht unter Last bis zu 600 Watt. Der Technikraum braucht deshalb eine eigene 230-Volt-Leitung mit eigener Sicherung – ein Punkt, den man in der Planung mit dem Elektriker klären muss, nicht hinterher.
Für die Größenordnung des Gesamtprojekts gibt es reale Endpreise aus Deutschland: 9 Dosen für 2.380 Euro, eine Praxis mit 18 Dosen für 6.900 Euro, 32 Dosen für 9.840 Euro. Eine vollständige Hausverkabelung mit Schrank, Switch und Router liegt dort bei 6.000 bis 10.000 Euro. Für ein Unternehmen mit 25 Arbeitsplätzen werden 12.000 bis 22.000 Euro einmalig genannt.
Diese Zahlen sind deutsche Orientierungswerte. Die tatsächlichen Preise auf Mallorca kalkulieren wir im Einzelfall – erst, wenn wir das Objekt gesehen haben.
Warum eine Finca mehr Access Points braucht als ein Neubau
Ein Outdoor-Access-Point von Ubiquiti erreicht im Freifeld ohne Wände bis zu 183 Meter (UAP-AC-M) beziehungsweise 122 Meter (UAP-AC-HD). Wer danach plant, plant falsch – denn im Haus stehen Wände dazwischen.
Und die Wände einer Finca dämpfen kräftig:
- 24-cm-Ziegelwand: 15–20 dB
- Stahlbetondecke: 20–30 dB
- Bruchsteinwand: 35–45 dB
10 dB entsprechen einer Halbierung der Signalstärke. Eine massive Bruchsteinwand ist damit der stärkste Dämpfer im Haus. Traditionelle Fincas sind genau so gebaut – massives Naturstein- oder Marès-Mauerwerk. Nach unserer Erfahrung kommt Funk durch solche Wände kaum durch; einen gemessenen dB-Wert speziell für Marès-Stein gibt es nicht, das ist Erfahrungswissen, keine Messung.
Die Folge ist keine Frage der Repeater, sondern der Standorte: Man braucht mehr Access Points, und jeder davon gehört verkabelt. WLAN ersetzt die Verkabelung nicht – es sitzt an ihrem Ende. Wer das umdreht, hat Funklöcher im Gästehaus.
Woran man sparen darf – und woran nicht
Beim Kabel selbst lässt sich sparen. Cat6a kostet 1,00 bis 1,40 Euro pro Meter und trägt die heutigen Anforderungen ohne Weiteres. Trotzdem legen wir im Neubau lieber Cat7. Der Aufpreis beträgt 30 bis 80 Cent pro Meter – gemessen an dem, was Verlegen und Stemmen kosten, fällt das kaum ins Gewicht. Und das Kabel liegt danach über Jahre unerreichbar in der Wand, an die nach dem Verputzen niemand mehr herankommt. Für die höhere Reserve über diese Zeit sind die paar Cent pro Meter gut angelegt.
Nicht sparen sollte man an drei Stellen:
- Am Leerrohr. Siehe oben. Der Faktor 5 bis 6 kommt später zurück.
- An der Absicherung des Technikschranks. Das Stromnetz auf dem Land ist nicht stabil. Mitte Juni 2026 gab es mehrfach Ausfälle in Nord- und Westmallorca sowie in Palma und im Süden. Eine USV mit Überspannungsschutz ist bei dieser Ausgangslage keine Zugabe. Wie oft es auf Finca-Ebene tatsächlich kracht, ist nicht statistisch belegt – ein Ausfall an der falschen Stelle reicht.
- An der Zahl der Access Points. Ein AP zu wenig heißt Funkloch, und das Funkloch sitzt erfahrungsgemäß dort, wo man am wenigsten damit rechnet.
Der spanische Rahmen und die Frage nach dem Internet
Der rechtliche Rahmen auf Mallorca ist spanisch, nicht deutsch: maßgeblich sind das Reglamento ICT (RD 346/2011), dazu RITU, die Elektro-Verordnung REBT und – bei Kameras – die Datenschutzbehörde AEPD. Die ICT-Projektpflicht gilt nach den vorliegenden Quellen nicht für die freistehende Einfamilienimmobilie; sie greift erst bei Gebäuden mit mehreren unabhängigen Einheiten, die Zertifizierung ab 20 Einheiten. Bei einer Finca mit Gästehaus als separater Wohneinheit kann die Einordnung kippen. Das ist kein Rechtsrat – die Frage gehört im Einzelfall an einen spanischen Telekommunikationsingenieur.
Und dann ist da die Anbindung. Spanien hat über 90 Prozent Glasfaserabdeckung, aber in vielen ländlichen Lagen Mallorcas ist Glasfaser schlicht nicht verfügbar. Eine verbreitete Alternative auf dem Land ist WiMAX über ConectaBalear: kleine Außenantenne, keine Telefonleitung nötig, Tarifstufen von 10 bis 70 Mbit/s, statische IP für 10 Euro im Monat. Die konkreten Monatspreise nennt der Anbieter erst nach einer Deckungsprüfung. Der wichtigste Fehler ist, das Netzwerk zu planen, bevor geklärt ist, was überhaupt am Grundstück ankommt.
Vor der ersten Rechnung geklärt haben
- Sind Leerrohre eingeplant – auch dort, wo heute noch keine Dose sitzt?
- Steht fest, welche Internetanbindung am Grundstück verfügbar ist (Glasfaser, WiMAX, Satellit, LTE)?
- Hat der Technikraum eine eigene 230-V-Leitung mit eigener Sicherung?
- Sind USV und Überspannungsschutz für den Schrank eingeplant?
- Ist die Zahl der Access Points nach Wanddämpfung geplant, nicht nach Freifeld-Reichweite?
- Sind alle festen AP-Standorte verkabelt?
- Ist bei Gästehaus als separater Einheit die ICT-Frage juristisch geprüft?
Was der Unterschied im Preis bedeutet
Wir sind nicht die Günstigsten, und wir reden das nicht klein. Der Unterschied steht für Planung, die im Rohbau anfängt und nicht bei der ersten Dose, und für einen festen, deutschsprachigen Ansprechpartner, der auch in drei Jahren noch weiß, warum welches Kabel wo liegt. Wer die reine Verkabelung zum niedrigsten Meterpreis sucht, findet sie – bei jemand anderem. Wer will, dass das Ganze in zehn Jahren noch trägt, weiß nach diesem Text, was auf ihn zukommt.
Quellen
- stahlbergen.de – „Netzwerkverkabelung Kosten" und „WLAN-Reichweite durch Wände", abgerufen 03.08.2026
- hagel-it.de – „Netzwerk aufbauen: Kosten", abgerufen 03.08.2026
- coolblue.de – „UniFi Access Point auswählen", abgerufen 03.08.2026
- wlan-blog.com – Dämpfungstabelle, abgerufen 03.08.2026
- mallorca.com – „Internet Mallorca", abgerufen 03.08.2026
- mallorcadiario.com – Stromausfälle Mallorca, 16.06.2026
- BOE – RD 346/2011 (Reglamento ICT)
- ConectaBalear – WiMAX-Tarife, abgerufen 03.08.2026
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